Kritik: Ludwigsburger Zeitung vom 26.2.19

Kritik: Offenburger Tagblatt 12.2.19

Kabarettist Heinz Klever im Kustall in Freistett.

 

FRECHER UND ZUGLEICH GEISTREICHER HUMOR

©Regina de Rossi

Heinz Klever kam als Neuling in den Freistetter Kustall. Liebhabern der Leipziger Pfeffermühle ist er hingegen bestens bekannt, denn seit 15 Jahren gehört er fest zum Ensemble.  

 

Heinz Klever ist ein blitzgescheiter Zeitgenosse, der es versteht, die Dinge um ihn herum genauestes zu analysieren, um dann alles auf den Punkt zu bringen. Sein Tipp zum aktuell konsumierten Zeitgeschehen: »Wer immer mit dem Schlimmsten rechnet, hat immer eine gute Zeit!«  

 

Auch eine Möglichkeit, mit all dem umzugehen, was Politik und Wirtschaft so anstellen. In einer Zeit, in der man immer durchsichtiger wird. Wie hat man doch den sensiblen Datenverwaltern vertraut, doch: »Seit Snowden sind wir klüger«, weiß  Heinz Klever und erinnert sich, dass man in den DDR-Zeiten den Spitzel noch erkannt hat, denn: »Er besaß einen Fernseher und Pornohefte!« 
Einen Gang zurück

 

Heinz Klever redet über Gott  und die Welt. Dies in einem Tempo, das durchaus Mühe machte, mitzukommen. Spürbar gewohnt, vor einem großen Publikum zu stehen, musste er hier tatsächlich einen Gang zurückschalten und dies tat er nach der Pause mit Bedacht. 

 

Aber da sind eben auch die vielen Sachen, die einem durch den Kopf marschieren. »Die Polen«, so weiß er, »sie werden immer kleiner, äh, ich meine die Pole«, verbessert er sich und fragt: »Aber, sind die nicht morgen schon Schnee von gestern?«  
Da entrüste ihn die Tatsache weitaus mehr, dass Holland in 20 Jahren von den Meeren überspült werde. »Und dann kommen sie auf ihren Holzbooten und mit ihrem Käse und ihren Wohnwagen. 17 Millionen Holländer!« , das ist für Heinz Klever zuviel, doch er ist sich sicher, Angela Merkel wird es wieder schaffen wollen. 

 

Und er zeichnet ein Bild einer Bundeskanzlerin, steinalt und Gicht geplagt,  aber immer noch die Raute vor sich hertragend. Er sieht sie durch den Reichstag geistern, an ihrer Seite, krumm gebuckelt, ihr treuer Adlatus Altmaier. Dieser stützt sie auf dem Weg zu ihrem Sitz auf der Regierungsbank und flüstert ihr leise ins Ohr: »The same  procedure as last year, Miss Merkel?« Dieser Humor ist klasse. Er ist frech, aber geistreich, und er trifft den Nerv der Zeit: »Ab 2019 erhalten  alle nordafrikanischen Architekten, Ingenieure, Bauarbeiter unbefristete  Aufenthaltsgenehmigung, solange sie sich bereit erklären, den Berliner Flughafen weiter zu ­bauen!«

 

Hinter dem Keyboard

 

Zwischendurch greift er zur Gitarre oder setzt sich hinter das Keyboard und singt. Auch hier hängt man an seinen Aussagen über Macht, Rendite und Geld. Doch besonders beeindruckend sind seine Sketche. Etwa zum Thema alt werden, alt sein: »Heute sind sie flüssig, morgen überflüssig!« Bittersüßer Humor. Heinz Klever beschwört einen gerontologischen Greisentsunami hervor und aktiviert die Lachmuskeln des Publikums. Dieses bedankt sich mit viel Applaus für einen Kabarettabend, der mit glasklarem Verstand vor Augen führte, was nicht so gut läuft in unserer Gesellschaft. Und er hält einen Verdauungsschnaps á la Immanuel Kant bereit:  »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!« 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Berliner aus Leipzig in Dannenberg: Heinz Klever mit Kabarett bei Hella

 

Dannenberg. „Kabarett ist rückläufig, weil Leute, die das verstehen, aussterben.“ Der ehemalige Landrat Dieter Aschbrenner scheint sich mit seiner spitzbübischen Bemerkung aber zu täuschen. Zumindest was das Publikum in Hellas Theaterclub in Dannenberg angeht. Sämtliche Stühle dort sind am Sonnabend besetzt. Die Gäste erwartet ein Abend für lernfähige Pessimisten: „Wer immer mit dem schlimmsten rechnet, hat meistens eine gute Zeit.“
Heinz Klever hat mit seinem stets aktualisierten Solo-Programm den Weg in die Jeetzelstadt  bereits zum zweiten Mal gefunden. Der Schauspieler und Autor arbeitet als „Quotenwessi“ seit 15 Jahren  im Ensemble der Leipziger Pfeffermühle. Mit politischem Kabarett, Sketchen, Parodien und eigenen Liedern wird der Berliner sich auch in Dannenberg durch eine bunte Themenvielfalt wühlen.
Alles kommt zur Sprache: Klimaveränderung, Whistleblowing oder „Gott in den alten Bundesländern.“ Apropos Gott, der sitzt angeblich bei Maischberger mit seinem Buch „Ich bin dann mal weg.“ Wir erhalten Antwort auf die ungestellte Frage, woran man zu DDR-Zeiten seinen persönlichen Spitzel hätte erkennen können. Dieser besaß Telefon und Pornohefte. Er gibt den Chinesen, der uns Deutschen die Wirtschaft erklärt. Zwei junge Araber absolvieren ihr „Freiwilliges asoziales Jahr“ und „philosophieren“ über Friedrich Nietzsche und Immanuell Kant als angebliche Comediens. Das Ganze ist unterhaltsam und mitunter politisch völlig unkorrekt.
Heinz Klever begleitet sich auf der Gitarre oder am Stage-piano. Sarkastische Vorschläge eines Bankberaters werden reimend in den Raum geworfen: „Investieren sie ihr Geld – in ‚nen Puff in Bitterfeld“. Die Titelzeile des heutigen Programmes wird genauso besungen wie David Bowies „Life on Mars“. Letzteres findet laut Übersetzung hingegen in der Merkelschen Uckermark statt.
Nach der Pause kommen alle Anwesenden so richtig auf Betriebstemperatur. Das Tempo zieht an. Die Themen galoppieren nur so durch die Reihen. Es gibt sie endlich: die Ehe für alle. Denn bis vor einiger Zeit durften nur die heiraten, die so überhaupt nicht zusammen passen: Männer und Frauen. Als Bankmanager Josef Ackermann besingt Klever „Gute Pleiten, schlechte Pleiten.“ Die Atmosphäre im wohltemperierten Raum ist prima und wird immer besser. Jetzt stimmen sogar gut betuchte Pensionäre lautstark mit ein beim Ohrwurm „Hartz IV, Hartz IV, das Glück hat einen Namen“. Rentnerschwemme in Deutschland? Von wegen, das Land ist sogar bedroht von einem „gerantologischen Greisentsunami“. Der Hauptakteur entwirft ein gruseliges Bild unserer Zukunft. „Wurst und Käse schmeißt man weg“, Stammgast Hella Hiddessen vervollständigt das Szenario wendländisch beiläufig im Flüsterton am Tisch:„...Opa kommt ins Jammerholz!“
Ganz zum Schluss wird der Mann mit der Schiebermütze sogar fast versöhnlich im Ton. Wenn er das Geschehen musikalisch aus dem All betrachtet, schimmert ein Fünkchen Hoffnung durch: „…auf der Erde brennt noch Licht, doch sieht man es kaum.“ Und so kann es nur folgerichtig sein, dass Chefin Hella Heinz Klever eine Einladung für Januar 2020 ausspricht. Ob der Vielbeschäftigte diese annehmen kann, bleibt abzuwarten. ↔fan

 

 

 

Heinz Klever ist Mitglied des Leipziger Ensembles Pfeffermühle. In Rangsdorf unterhielt er das Publikum aber auch solo bestens – und gab ihnen auch noch einen Ohrwurm mit auf den Weg.

 

Am Wochenende ließ der Berliner Heinz Klever in der Kulturscheune die Lachmuskeln der Besucher ordentlich arbeiten. Bis zu Beginn seines Programms „Wer immer mit dem Schlimmsten rechnet, hat meistens eine gute Zeit“ mussten Schlüpen und seine Mitstreiter zusätzliche Stühle stellen, um den Ansturm zu meistern. Mit Schiebermütze begrüßte er als niederschwelliger Politik-Erklärer und Multitalent – Klever ist Schauspieler, Komponist, Autor und „Quotenwessi“ des Ensembles „Leipziger Pfeffermühle“ – das Publikum mit einer Aneinanderreihung aktueller Themen: Whistleblowing, der Mensch als Ansammlung von Daten, Religion und der schwere Stand, den Gott in den neuen Bundesländern hat, dazu Klimaveränderung und Merkel, die Lichtgestalt aus Templin. Dabei halfen vor allem die Songs aus eigener Feder, zumal er sich auch als brillanter Interpret erwies. Manchmal blieb kein Auge trocken: „Hartz IV, Hartz IV, das Glück hat einen Namen“ wird manchem als Ohrwurm erhalten bleiben, die Mitsinggelegenheit nutzte der Saal ausgiebig. Ein eineinhalbstündiges Programm allein zu gestalten und die Zuhörer dabei stets satirisch bei der Stange zu halten, ist hohe Kunst. Und kam auf Hochtouren: Erst gab er einen Chinesen, der den Deutschen erklärt wie Wirtschaft geht und gesteht, dass auch unsere Kanzlerin schon längst eine billige Kopie ist, dann zwei Araber, die ein „Freiwilliges asoziales Jahr“ absolvieren. Beides kam großartig an. Ekelessen, Rentnerschwemme – nichts blieb ungesagt. „Das war eine der besten Sachen, die ich hier gesehen habe. Der Mann ist so vielseitig und treffsicher“, fasste eine Rangsdorferin gut zusammen.

 

 

Kritik aus der Elbe-Jeetzel-Zeitung.

Gastspiel in HELLAS THEATERCLUB, Dannenberg, am 13.1.18.

PHILOSOPH AUF BÜHNENBRETTERN

 Ist Heinz Klever Kabarettist oder hat er den unverstellten Blick auf die Folgen des Klimawandels, der alternden undigitalisierten Gesellschaft oder des ungezügelten Konsums? Die Gäste im ausverkauften „Hellas Theaterclub“ waren am Sonnabend mal köstlich amüsiert, mal fühlten sie sich sanft in die Wade gebissen, und immer klatschten sie begeistert Beifall, nachdem sie ein paar Atemzüge gebraucht hatten, um die Botschaften zu entschlüsseln. Sie waren in freier Rede, in Gedichten und Chansons verkleidet. „Das war Zeitgeist auf hohem Niveau“ sagte ein Zuhörer, ein anderer charakterisierte den Solokünstler als „Philosoph auf Bühnenbrettern“.„Wer immer mit dem Schlimmsten rechnet, hat meistens eine gute Zeit“, hat Heinz Klever sein zweistündiges Programm überschrieben und wünschte „angenehme Albträume über die Katastrophen vor unserer Haustür“. Holland werde untergehen, prophezeite er, „denn die Gletscher der Pole sind morgen Schnee von gestern“. Angela Merkel und Peter Altmaier ließ er als altes, von der Gicht geplagtes Paar den Wunsch „The same procedure as every year“ aussprechen. Und Jahre später werde „die Partei der Freien Nichtwähler die Regierungsgeschäfte übernehmen“. An das Publikum gewandt, warnte er vor  Freundschaftsbeziehungen in sozialen Medien und „zitierte“ Manager von Facebook und Instergram: „Ihr seid nur eine Ansammlung von Daten, wir geben euch Bedeutung“.Mit Blick auf Massentierhaltung, Herbizide und Pestizide formulierte er „Nahrung istWissen plus Überwindung“ und angesichts des demografischen Wandels sprach er von einem „Greisen-Tsunami“. Das Positive für die Sozialkassen sei, dass verarmte Rentner, „die nichts zu beißen haben, auch keinen Zahnersatz brauchen“. Der Applaus galt einem Berliner Multitalent. Als Autor, Schauspieler, Komponist und Kabarettist ist Heinz Klever häufig Gast bei renommierten Kabaretts wie der „Pfeffermühle“ und den „Academixern“ in Leipzig, dem „Eulenspiegel“ in Berlin oder dem Spandauer

 Volkstheater..........  mh

 

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LIEDERLICHE TEXTE

 

Cellesche Zeitung

 

Gastspiel in KUNST UND BÜHNE

 

12.1.2015

 

Mit Sarkasmus und feiner Ironie

 

 Einen „etwas anderen Blick“ auf das politische Zeitgeschehen als die gängigen Nachrichtenagenturen warf der Berliner Kabarettist Heinz Klever bei seinem zweistündigen Soloprogramm „Liederliche Texte – Standpunkte zur Lage“ am Samstag in Kunst & Bühne. Dabei wusste er nationale und internationale Themen in sich schlüssig zu vernetzen und bot Zeitgeist auf hohem Niveau. Da jedoch – wie er augenzwinkernd einräumte – „gesprochene Worte kaum ausreichen, die Lage anschaulich zu machen“, fügte er in feinster Chanson-Manier gesungene Worte hinzu. Und seine präzise geordneten Akkorde wechselten ebenso oft die Richtung wie seine Philosophie und kippten bisweilen unerwartet von Dur in Moll. Aber sie ergaben immer Sinn. Klever gehört zweifellos nicht zu den larmoyanten Ans-Bein-Pinklern, er erwies sich vielmehr als vorzüglicher verbaler und dabei mundart-gewitzter Wadenbeißer. Trittsicher balancierte er auf dem schmalen Grat zwischen intelligentem Witz und bitterem Ernst, brachte das Publikum zum Lachen, aber auch zum Denken, wie man es von politischem Kabarett nicht anders erwartet. Er verstand es, die Moralkeule auszupacken, ohne als Moralist dazustehen. Davor bewahrten ihn sein Sarkasmus und seine feine Ironie..........

 

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IN DER TRUHE LIEGT DIE MACHT!

 

Theaterstück von Heinz Klever

 

Falkensee Aktuell

 

SPANDAUER VOLKSTHEATER VARIANTA

 

2.2.17

 

„In der Truhe liegt die Macht! oder Wo bitte geht der nächste Zug nach Spindlersfeld?“ bricht mit dieser Tradition. Das neue Stück ist eine zeitaktuelle Komödie mit viel Kabarett und Gesang, vom Theaterleiter Heinz Klever selbst geschrieben. Es bietet eine brisante Mischung, die aber sehr gut funktioniert.

 

Hajo (Klever) und Moni (Sonya Martin) könnten ihren Lebensabend so schön genießen, wenn da nicht der längst erwachsene Sohn Fritjof (genial in seinem Spiel: André Rauscher) wäre. Der kann sich weder vom „Hotel Mama“ lösen noch einen richtigen Job finden.

 

Abwechselnd versucht er sich als Bankberater, als Altenpfleger und sogar als Moslem, was herrlich überspitzt in immer neuen Kostümierungen sehr zur Unterhaltung der Zuschauer beiträgt. Das Schauspiel der Drei ist passend dazu perfekt auf den Punkt gebracht – mal ernsthaft hinterfragend, mal albern überspitzt. Wenn Fritjof die wie Kleinkinder sich dem Löffel verweigernden Senioren als Alterspfleger füttert, dann bleibt bei den Zuschauern kein Auge trocken. Das ist einfach köstlich umgesetzt.

 

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