UNHEILBAR GESUND

 

von Heinz Klever

 

 

 

1.   Arzt

 

2.   Patient

 

 

 

1.   Der Nächste bitte!

 

 

 

2.   Das bin ich.

 

 

 

1.   Nein. Das bin ich!

 

 

 

2.   Aber Sie sind doch der Doktor.

 

 

 

1.   Na und! Heutzutage ist sich jeder selbst der Nächste. – Was führt Sie in meine Praxis?

 

 

 

2.   Ich selbst wäre nicht auf die Idee gekommen. Kollegen, Freunde rieten mir zu einem Arztbesuch. So könnte es nicht weitergehen.

 

 

 

1.   Etwas präziser, wenn ich bitten darf!

 

 

 

2.   Mein ganzer Bekanntenkreis: Burnout, Depressionen, Rückenschmerzen, Wahnvorstellungen, Hämorrhoiden. Irgendwann sagte ich mir, geh also auch zum Arzt. Dann geht es dir besser.

 

 

 

1.   Wie fühlen Sie sich momentan?

 

 

 

2.   Grade habe ich wieder einen Anfall,.

 

 

 

1.   Einen Anfall?

 

 

 

2.   Mein Körper spielt verrückt. Ständig gaukelt er mir so einen Zustand vor, - von Beschwerdefreiheit.

 

 

 

1.   Aha! – Wie lange leiden Sie bereits darunter?

 

 

 

2.   Ich kam damit auf die Welt. Habe es wohl von meinen Eltern geerbt. Mein Vater wurde 98, die Mutter 105. Beider Todesursache ungeklärt.

 

 

 

1.   Gibt es noch andere Symptome?

 

 

 

2.   Morgens, direkt nach dem Aufwachen, wenn die Augen öffne…! – Dann denke ich, nein! Nicht schon wieder! Wieso ich?

 

 

 

1.   So ein Schwindel?

 

 

 

2.   Schwindel?

 

 

 

1.   Atemnot vielleicht! Ringen nach Luft?

 

 

 

2.   Ich kann es nicht beschreiben. – So ein…

 

 

 

1.   …Panikzustand?

 

 

 

2.   Nein! - So ein diffuses Gefühl von - Wohlbefinden.

 

 

 

1.   Aha! - Und während dieses Wohlbefindens, ist Ihnen da übel? – Haben Sie Nasenbluten, ein Pfeifen in den Ohren, während Sie sich wohl befinden?

 

 

 

2.   Leider nicht. Dann wäre mir wohler, Herr Doktor. - Also, als mir sowieso schon ist. - Nein. Da ist diese Stimme.

 

 

 

1.   Psychosomatisch. Aha! – Was spricht diese Stimme zu Ihnen?

 

 

 

2.   Immer denselben Satz. Wortwörtlich! Früher konnte ich damit umgehen.

 

Ich habe gedacht. Gut! Diese Stimme. Lebe mit ihr. – Aber seitdem ich mir meines Leidens bewusst bin, macht es mich fertig.

 

 

 

1.  Wie lautet dieser Satz?

 

 

 

2.   Ich bringe ihn kaum über die Lippen.

 

 

 

1.   Zwingen Sie sich. Wie soll ich Ihnen sonst helfen!

 

 

 

2.   zwingt sich.   „Sieh! Was für ein schöner Tag!“

 

 

 

1.   entsetzt   Nein!

 

 

 

2.   Ich weiß nicht mehr weiter, Herr Doktor! Dieses ewige „Sieh! Was für ein schöner Tag!“ – Selbst wenn es regnet. Oder RB Leipzig gegen Hoffenheim verliert. „Sieh! Was für ein schöner Tag!“

 

 

 

1.   Hm…?

 

 

 

2.   Herr Doktor! Kann es sein, - bitte seien Sie ehrlich zu mir! Kann es sein, dass ich ernsthaft gesund bin.

 

 

 

1.   Unwahrscheinlich.

 

2.   Aber alle Symptome deuten darauf hin.

 

 

 

1.   Für Sie. Als medizinischer Laie. Wir Ärzte finden immer eine Krankheit. –

 

Ich kann mich an einen einzigen Patienten erinnern. Lange her. Das war so ein Fall. Ähnlich dem Ihren. Keinerlei Beschwerden, bildete er sich ein. So eine ständige Antriebsstärke, verbunden mit plötzlichen Anfällen von sinnlosem Optimismus. Ich wollte ihn schon zwangseinweisen. - Leider kam es nicht mehr dazu.

 

 

 

2.   Ist er…?

 

 

 

1.   Ja, ganz plötzlich. Mit nicht einmal vierzig Jahren.

 

 

 

2.   Und wie ist er…?

 

 

 

1.   Er wurde überfahren. Als er aus meiner Praxis kam. Von einem Krankenwagen. – Aber so weit muss es mit Ihnen nicht kommen. Ich verschreibe Ihnen erst mal was.

 

 

 

2.   Was?

 

 

 

1.   Egal. Ihre Lieblingsfarbe?

 

 

 

2.   Lieblingsfarbe?

 

 

 

1.   Grüne Tabletten oder pinkfarbene? Ich habe auch welche, die können sie mit Alkohol einnehmen.

 

 

 

2.   Ich trinke nicht.

 

 

 

1.   Fangen Sie damit an. Eine Leberzirrhose ist was herrlich Konkretes. – Ich glaube, ich habe noch eine Arzneimittelprobe da.   stellt eine Flasche Cognac auf den Tisch   Die Pharmavertreter überschütten mich damit. Ist gut gegen alles. Gelegentlich greife ich selbst darauf zurück.   trinkt einen großen Schluck aus der Flasche   Zur Vorbeugung. Man weiß ja nie. Probieren Sie ruhig. Ich gebe Ihnen den Rest mit. – Zigarette?   bietet eine an, schaut auf die Armbanduhr.   Die Sprechstunde ist übrigens beendet. Ich habe einen Termin mit meinem Psychotherapeuten.

 

 

 

2.   Verstehe!

 

 

 

1.   Mein Vermögensberater kommt auch. Wir spielen zusammen.

 

 

 

2.   Karten?

 

1.   Nein! Russisches Roulette! Ich hab noch nie verloren.

 

 

 

2.   Ja. - Man sieht’s.

 

 

 

1.   Aber einmal erwischt es jeden. Macht nichts. Bin sterbenskrank.

 

 

 

2.   Was haben Sie?

 

 

 

1.   Alles!

 

 

 

2.   Alles?

 

 

 

1.   Und mehr als das. Von allem zuviel. Man geht daran zugrunde.

 

Ich weiß gar nicht, ob ich es noch zu der Verabredung schaffe. Vielleicht schieße ich mir auf dem Weg eine Kugel in den Kopf. In meinen und in den

 

von jemand anderem. Wichtig ist nur, die Reihenfolge zu beachten. Soll ich mit ihrem anfangen?

 

 

 

2.   Ich versuche es, glaube ich, erstmal mit Tabletten. - Den grünen!

 

 

 

1.   Spielverderber! Aber, wie Sie meinen. – Ich muss los. Sie finden alleine heraus. - Leben Sie wohl! Und gute Besserung!   Ab

 

 

 

Man hört ein Lachen, dann einen Schuss.

 

 

 

BLACK

 

+

 

ENDE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SCHNEEWITTCHEN UND DER KLEMPNER

 

von Heinz Klever

 

 

 

1.   Regisseur

 

2.   Schauspieler

 

3.   Schauspielerin

 

4.   Klempner

 

 

 

1.   verzweifelt   Schneewittchen, anmutig! Attraktiv!   formt mit den Händen ihre Kurven   Einen Prinzen, der aussieht wie Brad Pitt, - als der noch aussah wie Brad Pitt! – Vor allem aber, - Zwerge! - Sieben Zwerge! – Sieben!

 

 

 

2.   schaut durch den Vorhang   Guten Tag!

 

 

 

1.   Herzlich Willkommen zum Vorsprechen für unser Weihnachtsmärchen   „Schneewittchen“! - Welche Rolle sprechen Sie vor?

 

 

 

2.   Rumpelstilzchen!

 

 

 

1.   Rumpelstilzchen? Wir spielen Schneewittchen. Einen Zwerg könnte ich Ihnen anbieten.

 

 

 

2.   Ich bin schon sehr auf Rumpelstilzchen disponiert.

 

 

 

1.   Junger Mann! Sie müssen Flexibilität aufbringen.

 

 

 

2.   Welchen Zwerg?

 

 

 

1.   Suchen Sie sich einen aus! Der Lustige! Immer einen Spaß auf den Lippen.

 

 

 

2.   Ich bin nicht so der Komiker.

 

 

 

1.   Dann den, der immer einschläft. Tritt auf und schnarcht. – Bombenrolle!

 

 

 

2.   Klingt cool! – Ist aber komplett ein anderes Fach.

 

 

 

1.   Wie kommen Sie auf Rumpelstilzchen?

 

 

 

2.   Hamlet oder Romeo macht jeder. Da bleibt nur Rumpelstilzchen.

 

 

 

1.   Legen Sie los! Ich sehe dann, wie ich Sie besetzen kann.

 

 

 

2.   „Heute back ich. Morgen brau ich. Übermorgen hol ich der Königin ihr Kind. Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.“

 

1.   verdreht die Augen   Genial! Ich biete Ihnen den 1. Zwerg an. Den Oberzwerg. Und den Königssohn dazu, der Schneewittchen küsst.

 

 

 

2.   Aha!

 

 

 

1.   leise beiseite, deutet auf 2   Florian Silbereisen, als der noch aussah wie Helene Fischer.

 

 

 

2.   Wie soll das gehen? – Beide!

 

 

 

1.   Wenn der Prinz auftritt, ist der Oberzwerg im Haus.

 

 

 

2.   Was macht er da?

 

 

 

1.   Facebook checken. – Counter-Strike spielen. – Was man so macht als Oberzwerg. – Sind wir uns einig?

 

 

 

2.   Ich muss nachdenken!

 

 

 

1.   Denken Sie nach! Und schicken Sie mir derweil den nächsten Zwerg, äh Schauspieler rein.   2 ab.   Man muss die Zwerge nehmen, wie sie fallen.  

 

 

 

herein kommt eine Schauspielerin, schwarze Haare, rote Lippen, großes Dekolleté. Das Idealbild von Schneewittchen.

 

 

 

3.   Ihr Klo ist verstopft! 

 

 

 

1.   Ich weiß. - Schneewittchen steht vor mir!   zeichnet mit den Händen ihre Kurven nach.

 

 

 

3.   Busen, Arsch und Beine. Schon ist die Rolle meine! - Oder was!

 

 

 

1.   Bitte?

 

 

 

3.   Sie sind ja der Harvey Weinstein der Märchenbühne?

 

 

 

1.   Nichts liegt mir ferner. Aber Schneewittchen hat ja nun mal…  

 

formt mit den Händen das Dekolleté.

 

 

 

3.   Wo steht das? Bei Grimm nicht! Nur in ihren schmutzigen Gedanken! Besetzen Sie mal gegen den Typ. Lassen Sie mich einen Zwerg spielen.

 

 

 

1.   Mit der Oberweite? – Verzeihung!

 

 

 

3.   Eine Zwergin natürlich! Verzwergte Männer gibt es genug. - Wir leben in den Zeiten von Genderswing! Der Laden hier, - eine Regenbogengesellschaft? –

 

Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? In meinem Bettchen geschlafen! - Und wer von euch Schwuchteln hat wieder heimlich meinen BH angezogen?

 

 

 

1.   Wir machen kein politisches Kabarett. Wir spielen Weihnachtsmärchen. - Andererseits! Ich suche händeringend Zwerge.

 

 

 

3.   Weg vom Klischee! – Es geht um den Zwerg in uns allen. „Zwerge, hört die Signale!“

 

 

 

1.   Ich muss nachdenken. – Warten Sie draußen. Und schicken Sie mir den Nächsten rein.   Sie ab.   Was mach ich nur? Sieben Zwerge!   der Klempner kommt.   Was sprechen Sie vor? Schneewittchen? Oder Schneewittrich vielleicht? - Schneewittchen als Transengranny in der Alters-WG? – Egal!

 

 

 

4.   Man hat mich angerufen. - Das Klo ist verstopft?

 

 

 

1.   Verstopft. Genau! - Schneewittchen ist gar keine Königstochter, sondern der schwule Sohn vom Klempner. – Herrgott! Was rede ich da?

 

 

 

4.   Wo ist es?

 

 

 

1.   Was?

 

 

 

4.   Das Klo!

 

 

 

1.   Das Klo! Das Klo! Zwerge brauche ich. Zwerge! Verstehen Sie!

 

 

 

4.   Wie viele brauchen Sie?

 

 

 

1.  Sieben!

 

 

 

4.   Sieben Zwerge? - Ebay! Da gibt’s alles.

 

 

 

1.   Hätten Sie Lust, einen Zwerg zu spielen?

 

 

 

4.   Nein!

 

 

 

1.   Schade! - Welche Rolle würden Sie gern spielen?

 

 

 

4.   Keine! Ich bin Klempner. – denkt nach   Hier auf der Bühne meinen Sie?

 

 

 

1.   In Schneewittchen.

 

4.   In Schneewittchen? – Den Wolf natürlich!

 

 

 

1.   Es gibt keinen Wolf in Schneewittchen.

 

 

 

4.   Heißt es nicht Schneewittchen und der Wolf?

 

 

 

1.   Es heißt Rotkäppchen und der Wolf.

 

 

 

4.   Brauchen Sie keinen Klempner im Stück?

 

 

 

1.   Sieben Klempner müssten es sein! - Schneewittchen und die Klempner. - Haben Sie nicht Kollegen? Klein. Sehr klein. Zwergklempner sozusagen!

 

 

 

4.   Wo ist das Klo?   holt eine Rohrzange raus.

 

 

 

1.   Wunderbar das Requisit!  - denkt nach   Den Wolf, sagten Sie!

 

 

 

4.   Den oder keinen!   ab

 

 

 

3 kommt wieder herein.

 

 

 

2.   Wir haben es uns überlegt.

 

 

 

1.   Was?

 

 

 

3.   Sie haben gewonnen. Ich spiele das Schneewittchen. Er den Zwerg.

 

 

 

1.   Wo ist er?

 

 

 

3.   Bei Aldi, sich eine Zipfelmütze kaufen.

 

 

 

1.   Aha!

 

 

 

3.   Aber Schneewittchen komplett genderneutral. – Okay?

 

 

 

1.   Mit der Oberweite kein Problem! – Also! Sie Schneewittchen, ich den Zwerg!

 

 

 

2.   Nur einer?

 

 

 

1.   Sechs sind auf ABM-Maßnahme beim Jobcenter, damit sie aus Hartz IV herausfinden.

 

 

 

3.   Echt geil! Politisch!

 

 

 

1.   Ich, der Zwerg, - verzweifelt. Schneewittchen hat das Klo verstopft. Sie: Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich den Klempner für das Klo.

 

 

 

2.   Super!

 

 

 

1. Da tritt der Wolf auf, - als Klempner verkleidet, - er repariert die Toilette und frisst danach Schneewittchen. Genderneutral! – Der eine Zwerg ist happy. Das blöde Weib ist weg. Ständig schmeißt es Berge von Binden und Papier ins Klo. Den Wolf legen sie an die Kette. Hat man erst mal einen Handwerker im Haus, lässt man den nicht wieder raus. Am Ende sitzt der Zwerg  zufrieden auf dem Topf und liest Zeitung. - Und wenn er nicht gestorben ist, dann sitzt er da noch heute. – So machen wir das!   klatscht in die Hände.

 

 

 

3.   Der Wahnsinn! - Hochpolitisch!

 

 

 

4.   tritt auf   Wo ist denn jetzt das Klo?

 

 

 

3.   Da hinten! - Ist aber verstopft.

 

 

 

4.   Das erste vernünftige Wort.  

 

3 und 4 ab

 

 

 

1.   für sich   Ich würde gerne eine Oper inszenieren. Den Tannhäuser! Nicht im Theater. Das wäre zu einfach.  – Gefesselt auf den Rücken eines blinden Maultieres, das sich weigert weiterzugehen. Trabte es weiter, stürzte es mit dem nächsten Schritt in einen Vulkankrater, aus dem eine glühende Lavafontäne herausspritzt. Das wäre mal was! Nicht diese ständige Routine. – Ach ja! - Und das Ensemble bestünde nur aus dem Maultier, mir und einer leeren Flasche Cognac, die ich noch auszutrinken hätte. – Alles für die Kunst!

 

 

 

ENDE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SPD

von Heinz Klever

A   Der nächste bitte.

B   Das bin ich.

A   Nein, das bin ich!

B   Aber Sie sind doch der Doktor.

A   Na und! Heutzutage ist sich jeder selber der nächste.  - Internistenscherz!

Was kann ich für Sie tun?

B   Ich habe den Bezug verloren.

A   Das soll vorkommen. Was haben Sie denn bezogen? - Eine Tracht

Prügel? Arbeitslosengeld II?

B   Wie bitte?

A   Internistenscherz! - Aber, mal im Ernst. Um was für einen Bezug handelt es

sich?

B   Um den Bezug zur Realität. Ich schlafe so schlecht, Herr Doktor. Morgens

wache ich wie gerädert auf und sage mir, das kann doch alles gar nicht

wahr sein.

A   Ich finde, das ist ein gutes Zeichen.

B   Was? Dass alles gar nicht wahr sein kann?

A  Nein. Das Sie morgens aufwachen. Sollte sich das ändern, können Sie leicht

selbst diagnostizieren, dass Sie gestorben sind. – Also, wo fehlt es uns denn?

B.   Vor allem an Arbeit, Herr Doktor. Bei uns in Langenwerra liegt die Arbeitslosenquote bei über 125 Prozent.

A.   Worunter Sie leiden, will ich wissen.

B.   Dass der Junge weg ist. Über Nacht. Auf und davon. Bei uns in Langenwerra, da haben die jungen Leute eben keine Zukunft mehr. Gott sei Dank, hat er endlich geschrieben, und ich weiß, wo er steckt.

A.   Wo denn?

B.   In Schwierigkeiten. Na, das ist ja gleich hier um die Ecke, hab ich noch gedacht. Da sehen wir uns ja bald wieder.

A.   So kommen wir nicht weiter. Sagen Sie mal A.

B.   A!

A.   Sehr gut. Sagen Sie mal B.

B.   B! – Und jetzt C?

A.   Nein! - Mayonnaiseomelett!

B.   Mayonnaiseomelett.

A.   Plappern Sie eigentlich jeden Blödsinn nach? Sie sind ja der perfekt verarschte Staatsbürger. - Sagen Sie mal Sozialdemokratie!

B.   Schoschaldemmmkrt....Schossaldmotie…

A.   Stellen Sie sich nicht so schwerfällig an. – Sozialdemokratie!

B.   Schoozal…Schoosaldemo…Ich kann doch nicht sagen, was es gar nicht

gibt.

A.    Mayonnaiseomelett gibt es auch nicht. – Also, meine Diagnose!

B.   Bitte schonend, Herr Doktor!

A.   Ihre Krankheit hat drei Buchstaben.

B.   HIV? - A.L.S.?

A.   Schlimmer! Worunter Sie leiden, ist die S...

B beginnt sich zu winden.

A.   ...P... 

B.    Krämpfe werden stärker   Hören Sie auf!

A   ...D! -  Ich nenne Ihnen jetzt einige Begriffe, und Sie antworten spontan mit irgendeinem Wort, das Ihnen grade in den Sinn kommt.

B.   Schnell, Herr Doktor. Ich halte es nicht mehr aus.

A.   Agenda 2010!

B.   Brionizigarre!

A.   Schulz!

B.   Gurkensalat!

A.   Gurkensalat?

B.   Ja! - Und Bartfuseln. Gurkensalat mit Bartfuseln. – Oh, diese Schmerzen! Schneller, Herr Doktor!

A.   Was fällt Ihnen zu Steinmeier ein?

B.   Nichts!

A.   Gar nichts?

B.   Gar nichts! – Doch! – Krankenkassenbrillengestell!

A.   Und zu Siegmar Gabriel?

B.   schreit vor Schmerzen   Hat kein Bauch mehr. Ist auch sonst leer.

Vielversprecher, Ziellautsprecher, Weichenversteller, Reichenerheller,

Sonnenblumenzertreter, Kauderwelschdolmetscher,...

A.   Sie sind ja ein ganz schwerer Fall. Es tut mir leid. Ich kann nichts mehr für

Sie tun.

B.   Oh nein!

A.   Einen Rat vielleicht, wie Ihre Schmerzen etwas erträglicher werden.

B.   Und welchen?

A.   Beginnen Sie zu trinken.

B.   Hab ich längst.

A    Schauen Sie regelmäßig Maischberger oder Anne Will. Das stumpft ab.

B.   Dieser Rat ist unmenschlich.

A.   Dann gibt es nur noch eine letzte Möglichkeit. Aber, sie werden durch die

Hölle gehen müssen.

B.   Das ist mir gleich.

A.   Werden Sie SPD-Mitglied.

B.   Bin ich schon!

A.   Treten Sie wieder aus!

B.   Dann sterbe ich!

A.   Das stimmt. Aber wenigstens wären Sie dann Ihre Schlafstörungen los.

B.   schreit    Willy!!!!!!!!

 

ENDE

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ALTENHEIM

 von Heinz Klever

 1.   Pfleger Hajo

 2.   Frau Scharnagel

 3.   Herr Scharnagel  

 

Auf der Bühne sitzt das Ehepaar Scharnagel. Herr Scharnagel wirkt abwesend.

 Es tritt auf: Pfleger Hajo.

 

1.   So, nun kommen wir zur Beschäftigungstherapie. Wen haben wir denn da? Ah, das Ehepaar Scharnagel.

2.   Hajo!

1.   Ja, Frau Scharnagel?

2.   Mein Mann ist tot.

1.   Nicht schon wieder! Wie er da sitzt. So voller Lebensfreude.

2.   Aber, er ist tot!

1.   Haben Sie die Hausordnung nicht mehr im Kopf, Frau Scharnagel. Gestorben wird bei uns nur vormittags von 8-9, weil danach fürs Mittagessen gedeckt wird.

2.   Wie Du meinst, Hajo!

1.   So, jetzt spielen wir "Fang den Ball". Ich schmeiße Ihnen den Ball zu. Sie fangen ihn und werfen ihn Ihrem Mann zu. Und der wirft ihn zu mir. Ist doch lustig. – Oder?

2.   schweren Herzens   Sehr!

1.   Also!   wirft den Ball zu Frau Scharnagel. Die fängt ihn.   Super! Und jetzt zu Ihrem Mann.

2.   Aber Hajo…!

1.   Frau Scharnagel, bitte!  

Sie wirft den Ball zu ihrem Mann. Der rührt sich nicht. Der Ball fliegt auf den Boden.

1.   etwas ärgerlich   Den hätten Sie aber fangen können, Herr Scharnagel.

2.   Aber wenn er doch tot ist.  

1.   Der ist nicht tot! Ein Spielverderber ist er. Will sich nicht einordnen in die Gemeinschaft. – Egal! Genug vom Sport.   steckt den Ball ein   Jetzt gibt's Abendbrot!   Holt 2 Schlabberlätzchen aus der Tasche

2.   Um vier Uhr nachmittags!

1.   Ja Und? - Dafür gibt’s Mittagessen schon um halber-zehn.   Bindet ihr ein Lätzchen um.

2.   Also wirklich...!

1.   bindet Herrn Scharnagel ein Lätzchen um   Ihr Gatte ist aber heute schweigsam.

2.   Weil er tot ist.

1.   Nun hören Sie endlich auf damit, Frau Scharnagel. Sonst muss ich Ihre Tablettendosis erhöhen.

2.   Seit vorgestern ist er tot!

1.   Das hätte ich ja wohl gemerkt!

 2.   Mir ist es auch erst gestern aufgefallen. Er ist doch immer so für sich und macht kein Aufsehen.

1.   Da haben Sie recht. Ist stets ein ruhiger Vertreter, Ihr Gatte. – Pflegeleicht! – Nicht wahr, Herr Scharnagel!   Schlägt ihm auf die Schulter. Scharnagel sackt zusammen. Ein Arm baumelt neben dem Stuhl. – Hajo ab.

2.   Stimmt! Eigentlich ist er wie immer.   Zu ihrem Mann   Möchtest du Fernsehen, Rüdiger – oder lieber aus dem Fenster gucken.   keine Antwort   Gut! Du möchtest deine Ruhe.

1.   kommt mit einem Tablett rein. Darauf stehen 2 Teller mit je einem Knäckebrot.   So. Nun gibt's Happi Happi! – Soll ich den Fernseher anmachen?

2.   Nein! Mein Mann möchte seine Ruhe.

1.   Ich denke, er ist tot.

2.   Eben!

1.   Ihr Mann isst ja gar nicht.

2.   Nein! – Sie schmiert Margarine auf ihr Knäckebrot

1.   ungeduldig   So! – Fertig?

2.   Ich hab noch gar nicht angefangen.

1.   Bisschen mehr Tempo, wenn ich bitten darf. Ich bin allein auf Station.

2.   Dann müsst ihr mehr Personal einstellen.

1.   Für das Gehalt arbeitet heute niemand mehr.

2.   Das ist doch angenehme Arbeit, alte Leute versorgen.

1.   Das sagen Sie. Und das ewige Gemecker?

3.   Was denn für ein Gemecker?   sie will grade ins Bot beißen. Hajo nimmt ihr das Tablett weg   Hey, ich bin noch nicht fertig.

1.   Das da! - Da lob ich mir Ihren Mann. Der meckert nie. Und er strahlt so eine Zufriedenheit aus.

2.   Weil er tot ist.

1.   Jetzt hören Sie aber auf! Ist Mann ist nicht tot. Nun sagen Sie doch auch mal was, Herr Scharnagel!   stößt ihn  an. Der sackt zusammen.   Der ist ja tot!

2.   Sag ich doch. - Mach mal den Fernseher an! Mir ist langweilig.

1.   Wie können Sie an Fernsehen denken? Ihr Mann ist tot!

2.   Wenn ich nicht gucke, wird er wieder lebendig?

1.   Von mir aus.    Er drückt auf die Fernbedienung. Man hört den Ton irgendeiner belanglosen Verkaufssendung.   - Ich hole den Tee.   ab

2.   Zu ihrem Mann   Ich muss bestimmt auf ein anderes Zimmer. – Mit mehreren zusammen wahrscheinlich. – Alles wegen dir!

1.   kommt mit einem Tablett und 2 Teetassen.   So, wir trinken unseren Tee.   Packt eine Tasse wieder weg.   Eine Tasse reicht ja jetzt.   Frau Scharnagel trinkt einen Schluck. Er nimmt ihr die Tasse wieder weg.   Und ab ins Bettchen. Sie wechseln bitte noch das Zimmer, Frau Scharnagel. Ab heute wohnen Sie mit Frau Schickel und Frau Ohrenstein zusammen.

2.   Die Schickel ist ein solches Aas.

1.   Keine Widerrede. Sie können zusammen "Mensch ärgere dich nicht" spielen. Da haben Sie Ablenkung. Jetzt wo Ihr Mann tot ist.

2.   streichelt ihm über den Kopf   Und er? Was passiert jetzt mit ihm?

1.   Ich sage gleich in der Verwaltung Bescheid. Dann kommt der Arzt, stellt den Totenschein aus. Danach der Leichenbestatter und übermorgen ist die Einäscherung.

2.   Aha!

1.   Gute Nacht, Frau Scharnagel! Schlafen Sie wohl.

Frau Scharnagel ab. Hajo schafft das Geschirr von der Bühne. Unterdessen wird Herr Scharnagel wach. Hajo kommt wieder rein, kriegt einen Riesenschreck.

1.   Herr Scharnagel! Was soll jetzt das? Sie sind doch tot.

3.   Ich hab geschlafen. Ganz tief geschlafen.

1.   Also, so geht das nicht! Sie bringen alles durcheinander.

3.   Was? Wieso? Wann gibt's denn Abendbrot? Ich habe Hunger. Und wo ist meine Frau?

1.   überlegt einen Moment   Herr Scharnagel, beim besten Willen! Der Arzt, der Leichenbestatter, das Zimmer... Die Verwaltung hat bereits die Akte... - Übermorgen werden Sie verbrannt. Das kann alles nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sie verstehen...!   nimmt eine Spritze aus der Tasche und sticht in seinen Arm. Herr Scharnagel sackt zusammen.   Langsam macht hier jeder was er will. 

ENDE

OBSERVATION

 

von Heinz Klever

 

1.   Chef

 

2.   Schraube

 

3.   Femina 4.o   ( mit Burka)

 

Schraube, grauer Mantel, Schlapphut, mit Feldstecher, observiert. Herein kommt der Chef. Gleiche Kleidung.

 

1.   Schraube, was machen Sie da?

 

2.   Observieren, Chef!

 

1.   Ausgezeichnet, Schraube! – Dann observieren Sie uns mal einen Cognac! – War ein Scherz. - Wen haben Sie grade im Blick?

 

2.   Extremisten! - Wohin man schaut nur Extremisten

 

1.   Donnerwetter! – Kann ich Sie unterstützen, - als Ihr Vorgesetzter?

 

2.   Nein Chef! Keine Ahnung hab ich selber.

 

1.   Wie Sie meinen, Schraube. Ich kann mit meiner Inkompetenz auch woanders Schaden anrichten. – Sie wissen, worauf Sie achten müssen?

 

2.   Auf die Straßenverkehrsordnung!

 

1.   Die Straßenverkehrsordnung? - Schraube! Muss ich mir Sorgen um Sie machen?

 

2.   Rechts vor links, Chef!

 

1.   Witzig, Schraube! Dämlich aber mit Humor. Sie passen zum BND. - Also, wenn ich Sie nicht weiter behindern kann, gehe ich zum Minister. Vielleicht hab ich da mehr Glück.

 

2.   Ich müsste mich krankmelden, Chef.

 

1.   Kommt nicht in Frage, Schraube! Sie sind mein bester Mann. – Was ist mit Ihnen?!

 

2.   Bin auf dem rechten Auge blind.

 

1.   Um Gottes Willen, Schraube! Wie lange schon?

 

2.   Schon immer. Erbkrankheit. Hab’s vom Vater mitbekommen.

 

1.   Was Sie nicht sagen, Schraube! – Was war Ihr Vater denn?

 

2.   Justizminister, Chef!

 

1.   Donnerwetter! - Trotzdem hat man Sie eingestellt?

 

2.   Deswegen, Chef! Grade deswegen.

 

1.   Aha! Aha! – Na, wenn es bisher keinen gestört hat!

 

2.   Aber ein Auge reicht nicht mehr. Der Extremismus nimmt Überhand.

 

Von rechts von links. Vor allen Dingen aus der Mitte.

 

1.   Der Mitte?

 

2.   Der Bürger, der sich unverstanden fühlt. Die Mittelschicht, glatt überrollt und vom gesunden Menschenverstand verraten und im Stich gelassen.

 

1.   Die Mitte gilt es auch zu observieren?

 

2.   Grade die, Chef! – Einen Moment nicht aufgepasst, schon ist sie weg.

 

1.   Wohin?

 

2.   Keine Ahnung. Nach rechts vermutlich. Aber da sehe ich ja nichts.

 

1.   Übertreiben Sie nicht, Schraube! Auf die Mittelschicht war stets Verlass. – Bei der drücken Sie gefälligst mal ein Auge zu.

 

2.   Chef, wenn man nur ein Auge hat, soll man das dann auch noch zudrücken?

 

1.   Papperlapapp! - Achten Sie mir jedenfalls auf die Islamisten!

 

2.   Mach ich, Chef. – Mit links!

 

1.   Womit auch immer, Schraube. Hat man kein Skalpell zur Hand, tut’s notfalls auch die Kettensäge.

 

2.   Aus den Islamisten wird man gar nicht schlau. Ein Kommen und ein Gehen. Nach Syrien, - aus Syrien zurück. – Da müsste man glatt mal rein zu denen. Ausbaldowern, was da vor sich geht.

 

1.   Sie sagen es, Schraube! – Wir haben da neuerdings was in petto! Eine Allzweckwaffe sozusagen.

 

2.   Und was, Chef?

 

1.   Sie meinten ja, Sie brauchen keine Unterstützung.

 

2.   Chef!

 

1.   Ich dränge mich nicht auf!

 

2.   Bitte Chef!

 

1.   Sagen Sie „Bitte bitte, lieber Chef!“

 

 2.   Bitte bitte, lieber Chef!

 

1.   Na, also gut! Wenn Sie’s so demütig erflehen.   holt eine Fernbedienung aus der Tasche, drückt einen Knopf. Herein kommt mit BURKA, robotergleich: …  Femini 4.o!

 

2.   Aha! Und, Femini 4.o ist…

 

1.   Ein Roboter, ein V-Roboter, ein V-Frau Roboter, kurz ein Froboter. Den schicken sie rein in die Moschee. Schon erhalten Sie sämtliche Informationen. Einfach die Befehle eingeben, die sie ausführen soll. Passen Sie auf. Zuerst was einfaches.   spricht in die Fernbedienung   „Du heißt jetzt Aische! – Wiederhole!“   drückt einen Knopf

 

3.   xbrringwtttpffftata!

 

2.   Das war etwas undeutlich!

 

1.   Haben wir gleich!   dreht an der Fernbedienung   So!   spricht in die Fernbedienung   Aische, du gehst rein in die Moschee und hörst ab, was diese Islamisten sagen! – Bestätige!   Drückt einen Knopf  

 

3.   Wrrmpfkklllawtschikbumdallatscheng!

 

2.   Verstanden habe ich Scheng Sching Bong Bing - oder so ähnlich.

 

1.   Ich muss die Antenne ausrichten!   Greift unter die Burka, in Höhe des Busens. Femini 4.o haut ihm auf die Finger.   Sehen Sie, die Sensitivmotorik funktioniert ausgezeichnet.   spricht in die Fernbedienung    „Alle Informationen über Selbstmordattentäter, Syrien und den Islamischen Staat, sofort an die Zentrale melden!“ – Bestätige“    drückt Knopf

 

3.   Wrrglamstiwrr! - Diesen Scheißislamisten wrrnggg ballern wir eine Ladung Schroth in ihren Arsch und mmmgtttrx stecken ihnen Mohrrüben in den Bart und Radieschen in die Ohren. Islam, raus aus Deutschland. Muslime ab zurück nach nnnpfftks Mesopotamien!...tamien…tamien…

 

2.   Ja, das wäre jetzt eine ganz neue Taktik, Chef!

 

1.   Unsinn! Das ist der Text für die nächste Pegida - Demo. Femina 4.o ist ungemein vielseitig einsetzbar. Natürlich hätten wir ihr was anderes angezogen.  spricht in die Fernbedienung.  Alles über den Islamischen Staat sofort an die Zentrale.  drückt Knopf

 

3.   Völker hört die Signale, auf zum letzten…Gef…wwwragnnnsss!

 

1.   Wir wollten sie auch auf den Parteitag der Linken einschleusen. – Einen noch!   drückt noch einmal

 

3.   Deutschland, Deutschland, über alles…wrungtssssttt!

 

1.   stellt Femina 4.o ab. die wackelt noch ein paar Mal hin und her.   Gut. Ist noch nicht ganz ausgereift, das Gerät. Aber von der Idee her nicht schlecht. Oder? - Schraube, machen Sie mal einen Witz! Alter Scherzkeks!

 

2.   Scheiße bleibt Scheiße! Auch wenn man Schlagsahne drauftut.

 

1.   Der war gut! Mensch, Schraube! Man macht doch im Leben hauptsächlich Dinge von denen man keine Ahnung hat. – Jedenfalls ich. Das muss man erst Mal draufhaben. - Ja, also, auf geht’s zum Minister! Was wollte ich da eigentlich? Keine Ahnung! – Aber darauf kommt es ja nicht an. – Machen Sie weiter so, Schraube. Sie sind mein bester Mann. – Das Ding lasse ich nachher abholen. – Und tschüss!   ab

 

3.   kommt zu Schraube, macht den Gesichtsschleier ab.   Hast Du eine…   krrrrtsnwwwzzz…Zigarette?

 

2.   Ich rauche nicht!

 

3.   Schnaps?

 

2.   reicht ihr den Flachmann. Sie trinkt.   Und jetzt?

 

3.   Ich lass mich umschulen….tsamlinglongzwiwitsch!

 

2.  Aha! - Als was?

 

3.   Selbst fahrendes Auto vielleicht. Oder Internetkühlschrank… …kkkniwitschquitschklingklong. - So was hat Zukunft.

 

2.   Und was wird aus mir!

 

3.   Nix! Du bist zu nichts weiter gut, als eine Verbindung zu schaffen zwischen Analog und Digital. Kein Affe mehr aber immer noch kein Mensch. Das ist dein Status. – Machs gut!…Tschüsssssssttttquenggggttttsssplong!

 

Sie geht. Er nimmt wieder den Feldstecher und observiert.

 

ENDE

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 VIDEO

Text Heinz Klever

 

FRAU

 

1. Schauspieler

 

2. Schauspieler

 

Vor der Bühne steht eine Videokamera.

 

 

FRAU   Finde ich gut, dass es diese Videokameras gibt. Man fühlt sich gleich viel sicherer - und gibt sich mehr Mühe. Ich schminke mich jedes Mal, wenn ich zu meiner Schwester fahre. Schließlich werde ich gefilmt, so lange ich auf die Bahn warte. – Und, passen Sie auf!    macht ein paar Tanzschrittchen, evtl. Step und singt in die Kamera:    Somewhere over the rainbow, la la laaaa! – Hab früher Theater gespielt, bei uns in der Kirchengemeinde Kleinzschocher. Maria Stewart und Charleys Tante. In Kleinzschocher! Gelernt ist gelernt. Und Kamera Kamera. Ob Hollywood oder Haltestelle. Der Kunst ist das egal. – Aber ich wollte auf was anderes hinaus. - Sicherheit, - um die geht es ja! Diese Kameras, die sollen ja abschreckend wirken, auf die Täter. Und die Statistiken besagen, die Kriminalität hat abgenommen. – Ich übrigens auch. Finden Sie nicht?

 

Aus der Kulisse rechts rennt schreiend der 1. Mann. Hinter ihm her der 2. Mann, mit einem Messer in der Hand..

 

1.   Hilfe, Polizei! Zu Hilfe!   ad lib.

 

2.   Kanack-Slang   Kohle her, aber dalli! Bleib stehen, Aschloch! Isch krieg disch!   

 

beide andere Seite ab. Man hört Schreien und Schläge.

 

FRAU   Wo war ich stehengeblieben? – Richtig, - die Statistik! Die wird ja vorwiegend von Leuten geschrieben, die nie am Bahnhof stehen. Im Dunkeln. Die wohnen in ihrem Reihenhaus am Stadtrand. Mit Alarmanlage und Versicherungspolicen gegen Einbruch, Brand und Steuerhinterziehungsbußgeldbescheid.

 

 aus der Kulisse links kommt 1. Mann. Er hat ein Messer im Rücken, blaues Auge, zerrissenes Jackett, verbeulter Hut, etc.

 

1.   Ich glaub, ich bin ihm entkommen. – Aua! Aua! Aua!

 

FRAU   Hätten Sie grad Zeit?

1.   Grad ist schlecht. Ich weiß nicht, ob der hinter mir her ist.

 

FRAU   Dauert nicht lang. Nur wegen der Statistik.

 

1.   Wenn es wegen der Statistik ist, - na gut!

 

FRAU   Ist es das erste Mal dass Sie überfallen wurden?

 

1.   Nein, aber man gewöhnt sich dran. Vorigen Monat hat man mich in der Fußgängerzone zusammengeschlagen und mir die Brieftasche geklaut. Am helllichten Tag. Kein Mensch hat mir geholfen. 

 

FRAU   Wahnsinn!

 

1.   Sie sagen es!

 

FRAU   Und diese Kameras, finden Sie, dass die den Alltag sicherer machen?

 

1.   Eigentlich nicht…! – Aua! Aua! Aua!
ebenfalls aus der linken Kulisse kommt der 2. Mann. Er zählt Geldscheine.

 

2.   Fünfhundert, fünfhundertfünfzig, sechshundert.

 

1.   Oh Gott, da ist er!   will weglaufen  

 

2.   Ey, keine Panik! Hab ich Feierabend. -   zählt weiter.   Sechshundert… siebenhundert... - Ey, Alter, bissu krank.   packt 1. Mann am Kragen   Nur große Scheine. Wer glaubst du wechselt mir das?  

 

FRAU   Junger Mann!

 

2.   Siebenhundert…siebenhundertfünfzig.

 

FRAU   Junger Mann!

 

2.   Was ist Bitch?

 

FRAU   Ich würde Sie gern was fragen.

 

2.   Hä? - Ey Scheiße! Jetzt bin ich raus. Kann ich noch mal von von anfangen mit zählen.

 

1.   Brauchen Sie nicht. Es sind 1.250 Euro.

 

2.   Bist du sicher?

 

1.   Ja! Hab’s grade von der Bank geholt.

 

2.   Danke. - Was will die Bitch?

 

1.   Wegen der Statistik.

 

FRAU   Sie wissen schon, dass Sie die ganz schön nach oben treiben.

 

2.   Echt?

 

FRAU   Aber ja! -   zu 1. Mann   Oder!

 

1.   Find ich auch!

 

2.   Ey, tut mir leid. Wollt ich nicht.

 

FRAU   Und dass ihre Tat gefilmt wurde wissen Sie hoffentlich auch. Ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Polizei Sie festnimmt.

 

2.   Bullshit! Veröffentlichung erst möglich nach Richterbeschluss. Dauert Wochen. Bis dahin, ich bin untergetaucht. Kenn meine Rechte!

 

FRAU   In Zukunft soll das aber schneller gehen. Innerhalb von Stunden kann dann jeder Ihre Verbrechervisage bewundern. Im Internet.

 

2   Ey, wo leben wir! – Ich dachte, Deutschland Rechtsstaat. Gehe ich vor europäische Gerichtshof klagen, wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechte! – Und jetzt stör mich nicht weiter! – Mache Buchhaltung. -   zu 1. Mann   Wieviel hast du gesagt?

 

1.   Zwölfhundertfünfzig!

 

2.   Ey, kannst mir viel erzählen, Alter. Ich bin seriöse Geschäftsmann. Zähl ich besser nach. - Fünfhundert, sechshundert... 

 

FRAU   zu 1. Mann   Wollen Sie nicht die Polizei rufen?

 

1.   Wozu?

 

FRAU   Anzeige erstatten.

 

1.   Nutzt nicht?

 

FRAU   Nutzt nichts?

 

2.   Nutzt gar nichts! - …achthundert…achthundertfunfzig,…

 

1.   Glückssache, wenn die kommt.

 

2.   Totale Glückssache! -   …neunhundert…tausend…

 

1   Das geht jetzt bei denen im Streichholzverfahren.

 

2.   Genau! Streichholzverfahren! Besser geht nicht. – …tausendfunfzig…

 

FRAU   Im Streichholzverfahren?

 

1.   Die ziehen Streichhölzer, zu welchem Einsatz sie fahren. – Letztes Mal hätte es fast geklappt. Mein Überfall hatte das zweitlängste. – Aber ich will mich nicht beklagen. Ich bin glimpflicher davongekommen als jetzt.

 

FRAU   Keine Verletzungen?

 

1.   :   Doch. Aber mein Hut war nicht so zerbeult. - Ist das eine von den Kameras?

 

FRAU   Ja.

 

1.   Aha! -   winkt in die Kamera   Hallo!

 

2.   winkt ebenfalls   Hallo!   …elfhundatfunfzig…zwolfhundert…

 

FRAU   guckt in die Kamera   Ich find das ganz prima, dass die jetzt überall montiert sind.

 

1.   Aber bringt doch nichts. –    hat Schmerzen   Aua! Aua! Aua!

 

2.   Bringt gar nix. Und verstößt gegen Menschenrecht. - Gehe ich klagen bei internationale Gerichtshof in Den Haag!

 

1.   Ich auch!

 

2.   Cool. Gehen wir zusammen. -  …tausendzweihundertundfunfzig! – Stimmt, Alter!

 

FRAU:   Na, sehen Sie. Man muss nur zusammenhalten, - dann kann man alles erreichen.  

Cheese!

 

Alle drei lächeln in die Kamera:   CHEEEEESE!!!

 

ENDE

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